When:
19. August 2017 @ 12:00 pm – 6:00 pm
2017-08-19T12:00:00+02:00
2017-08-19T18:00:00+02:00
Where:
TBA
Cost:
Free
Contact:
Berlin gegen Nazis

Am 19. August ist ein rechtsextremer Aufmarsch mit 500 Teilnehmer_innen im Berliner Westen angemeldet. Thema des Aufmarsches ist der dreißigste Todestag des verurteilten NS-Kriegsverbrechers Rudolf Heß, der am 17. August 1987 in einem Gefängnis in der Spandauer Wilhelmstadt Selbstmord begangen hatte. Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit wird der ehemalige Standort des Gefängnisses Ziel des Aufmarsches sein. Gegenproteste gegen diesen rechtsextremen Aufmarsch in Spandau sind in Vorbereitung.

Die Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus Berlin (MBR) hat eine aktuelle Einschätzung zur erwartbaren Teilnehmer_innenzahl, der Zusammensetzung der Teilnehmenden des Aufmarschs und zu den Hintergründen der rechtsextremen Traditionen bezogen auf Rudolf Heß veröffentlicht. Dort heißt es u.a.:

Bislang ist der Aufzug unter dem Motto „Mord verjährt nicht“ im Bereich Charlottenburg-Wilmersdorf und Spandau ab 12 Uhr für 500 Teilnehmende angemeldet. Die Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus Berlin (MBR) geht davon aus, dass mit deutlich mehr Rechtsextremen gerechnet werden muss. (…)

Auch, wenn nahezu ausschließlich Angehörige der Neonaziszene mit dem Thema angesprochen werden, darf die hohe Symbolkraft des Hitlerstellvertreters in diesen Kreisen nicht unterschätzt werden. Nicht nur haben geschichtspolitische Themen und ihre revisionistische Umdeutung in der Szene eine enormem Stellenwert, auch die Glorifizierung des Nationalsozialismus über einen ihrer prominentesten Vertreter, der auch nach dem Sturz des NS-Regimes der Ideologie die Treue hielt, spricht weite Teile der Szene an. In seinem Schlusswort im Nürnberger Kriegsverbrecherprozess sagte Heß: „Ich bin glücklich, zu wissen, dass ich meine Pflicht getan habe meinem Volke gegenüber, meine Pflicht als Deutscher, als Nationalsozialist, als treuer Gefolgsmann meines Führers. Ich bereue nichts. Stünde ich wieder am Anfang, würde ich wieder handeln wie ich handelte, auch wenn ich wüsste, dass am Ende ein Scheiterhaufen für meinen Flammentod brennt.“ (…)

Dass die Symbolkraft Heß’ in der Szene weiterhin ungebrochen ist, belegt auch die hohe Verbreitung der Veranstaltung auf rechtsextremen Seiten im Internet und in sozialen Medien. Trotz diverser Differenzen scheint der Termin am 19. August in Berlin-Spandau die zerstrittene Szene bundesweit einen zu können: Sowohl Gliederungen der NPD und ihrer Jugend, als auch „Die Rechte“-Strukturen, diverse Kameradschaften und „Autonome Nationalisten“, die sich dem „Antikapitalistischen Kollektiv“ (AKK) zurechnen, bewerben den Termin. Strukturen aus fast allen Bundesländern sind vertreten. Sogar Versände, Bands und Liedermacher sowie szenerelevante rechtsextreme Einzelpersonen rufen zum Aufmarsch auf. Am 15. Juli im thüringischen Themar, bei einem der größten Rechtsrock-Konzerte der letzten Zeit mit 6.000 Besuchern, wurde der Termin ebenfalls offensiv beworben. (…)

Im Aufruf nehmen die Organisatoren bewusst keinen Bezug auf das Wirken von Heß, offensichtlich um keine Angriffsfläche für ein mögliches Verbot der Veranstaltung durch NS-Verharmlosung wie 2005 in Wunsiedel zu bieten. Stattdessen wird sich ausschließlich auf die verschwörungsideologische Behauptung, es handele sich bei Heß’ Suizid um einen Mord der Alliierten bezogen. Mit dem Slogan „30 Jahre Propaganda und Mutmaßungen sind genug!“ fordern die Rechtsextremen die Freigabe der Akten zum Fall.

Das Spandauer Bündnis gegen Rechts hat eine Kundgebung am wahrscheinlichen Ziel des rechtsextremen Aufmarsches in der Spandauer Wilhelmstadt angemeldet, um dort das NS-Heldengedenken laustark zu stören.

Ebenfalls angemeldet ist eine Demonstration von der Spandauer Regionalgruppe des Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes / Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN/BdA ) vom Bahnhof Spandau in die Wilhelmstadt. Unter dem Motto: “Keine Heldenverehrung von Nazikriegsverbrechern in Spandau und anderswo“ will die Regionalgruppe gemeinsam mit möglichst vielen Berliner_innen ein klares Zeichen gegen den rechtsextremen Aufmarsch setzen.

Weiter Informationen zu beiden Veranstaltungen folgen Anfang August. Berlin gegen Nazis wird sich an den Protesten beteiligen. Kommt mit uns am 19.08. nach Spandau.

Wir aktualisieren diese Informationen laufend. Der Hashtag auf Twitter für den 19.08. lautet #b1908.