When:
30. November 2018 – 2. December 2018 all-day
2018-11-30T00:00:00+01:00
2018-12-03T00:00:00+01:00
Where:
Hamburg, DE
Cost:
Free
Contact:
Assoziation für kritische Gesellschaftsforschung
Antidemokratische Konservative (AkG-Tagung 2018) @ Hamburg, DE

Antidemokratische Konservative. Feinde einer offenen, solidarischen und gleichberechtigten Gesellschaft

Tagung der Assoziation für kritische Gesellschaftsforschung (AkG), 30.11.-02.12.2018

Anmeldung unter: https://goo.gl/forms/0xJ9Ak9sSNWodseT2

Programm: http://akg-online.org/tagungen/antidemokratische-konservative-tagung-30nodenode-2node220node8

Ob Trump, Erdogan, Orbán oder die AfD – antidemokratische Konservative feierten in den letzten Jahren vielerorts auf der Welt politische und mediale Erfolge. In öffentlichen Debatten fallen sie durch eine aggressive Freund-Feind-Rhetorik mit ausgeprägter Verschwörungsmentalität auf, die einen demokratischen Austausch von Sachargumenten verhindert. Die Gesellschaft imaginieren sie als wahlweise von „einem feministischen Volkssturm“, „illegaler Masseneinwanderung“, „elitären Hipstern“, „der Anti-Abschiebe-Industrie“, „Leuten des Spekulanten“, „Terror-Helfern“, „linksextremen“ Medien oder „versifften links-rot-grünen 68ern“ dominiert und bedroht. Der geforderte Umgang mit diesen „Feinden“ reicht – je nach Grad der politischen Radikalität – vom Ziel einer konservativen Wende, um sie politisch in ihre Schranken weisen über den Ruf nach Inhaftierung bis hin zu Gewaltphantasien einer physischen Vernichtung („an die Wand stellen und Löschkalk obendrauf streuen“ bzw. „notfalls auch von der Schusswaffe Gebrauch machen“). Dort, wo sie an der Regierung sind, treiben antidemokratische Konservative einen autoritären Umbau des Staats voran: Rechtsstaatliche Garantien werden ausgehöhlt, Wahlsysteme werden autoritär restrukturiert, die demokratische Zivilgesellschaft wird bekämpft, Presse-, Versammlungs- und Koalitionsfreiheit werden eingeschränkt, individuelle Grundrechte werden durch eine Ausweitung polizeilicher Befugnisse abgebaut (z.B. neues Polizeigesetz in Bayern), soziale Sicherungssysteme gekürzt, Minderheiten werden exkludiert und entrechtet (z.B. Anker-Zentren), neonazistische Organisationen werden normalisiert und Frauenrechte zur Disposition gestellt. Der Begriff der „Demokratie“, so zeigt diese Entwicklung, wird von den antidemokratischen konservativen Akteuren inhaltlich entleert und durch ein staatszentriertes und teils völkisch aufgeladenes Politikverständnis ersetzt, das nicht selten an die Theorietradition der prä-faschistischen „Konservativen Revolution“ (u.a. Jünger, Spengler, Schmitt) in Deutschland erinnert. Die eigene (autoritär-konservative) Position wird als Ausdruck eines einheitlichen Volkswillens verstanden und inszeniert, wodurch alle, die diese nicht teilen, rhetorisch zu „Volksverrätern“ werden. Gegenüber vielfältigen postmigrantischen und zumindest teils relativ liberalen Gesellschaften werden kulturelle Homogenität und konservative Wertvorstellungen propagiert, die (notfalls mit Gewalt) durchgesetzt werden sollen. Auf unserer Tagung wollen wir uns mit Ursachen, Hintergründen und Folgen des Bedeutungsgewinns antidemokratisch-konservativer Positionen auseinandersetzen. Am Beispiel von fünf Ländern bzw. Ländergruppen – Deutschland und Österreich, Kolumbien und Brasilien, der Türkei, den USA sowie Polen und Ungarn – legen wir dabei den Schwerpunkt auf vier Themenbereiche: Rechtsstaatlichkeit und Demokratie, Klassenverhältnisse, Geschlechterverhältnisse sowie Rassismus und Migrationspolitik.

Programm:

Freitag, 30.11.2018

14:00-16:00 Uhr: Workshop: Autoritäre Formierung im digitalen Kapitalismus

16:00-17:30 Uhr: Antidemokrat_innen in Parlamenten und Regierungen. Folgen für Rechtsstaatlichkeit und Demokratie

17:30-19:00 Uhr: Workshopphase I

Ausnahmezustand und Autoritarismus in der Türkei (Workshop)

Autoritärer Konservatismus in Brasilien und Kolumbien (Workshop)

Marktradikale Rechte in Deutschland und Österreich (Workshop)

Autoritarismus in Ungarn und Polen (Workshop)

20:15-21:45 Uhr: Problematizing of Academic Labour and Academic Freedom, organisiert von Peace for Academics (BAK)

Samstag, 01.12.2018

10:00-11:30 Uhr: Klassenverhältnisse und antidemokratischer Konservatismus. Zum Verhältnis von Ohnmachtserfahrungen, Rassismus und exklusiver Solidarität

11:30-13:00 Uhr: Workshopphase II

(Fortsetzung der länderspezifischen Workshops)

14:00-15:30 Uhr: Mitgliederversammlung der AkG

15:30-17:00 Uhr: Antifeminismus und Anti-Genderismus. Konservative Strategien gegen Gleichberechtigung und selbstbestimmte Sexualität

17:00-18:30 Uhr: Workshopphase III

(Fortsetzung der länderspezifischen Workshops)

19:30-21:30: Welche offene, solidarische und gleichberechtigte Gesellschaft? Zur aktuellen Debatte um Migration und Migrationspolitik

Sonntag, 02.012.2018

09:30-11:00 Uhr: Migrationspolitik, Asyl und autoritärer Populismus. Zwischen Humanismus, Verteilungskonflikten und entmenschlichender Aggression

11:00-12:30 Uhr: Workshopphase IV

(Fortsetzung der länderspezifischen Workshops)

12:30-13:30 Uhr: Abschlussdiskussion

Die Tagung ist kostenlos, wir bitten jedoch um einen Unkostenbeitrag zur Verpflegung. Es wird bei Bedarf eine kostenlose Kinderbetreuung angeboten (s. Anmeldeformular https://goo.gl/forms/0xJ9Ak9sSNWodseT2).

Bild: via akg-online.org